Fakten zum Bürgerentscheid "Neubau des Pidinger Rathauses"

In den vergangenen Monaten haben sich Vertreter eines Bürgerbegehrens mehrfach öffentlich gegen den vom Gemeinderat beschlossenen Neubau eines Rathauses am Bahnhofsgelände ausgesprochen und einen Verbleib am bisherigen Standort in der Thomastraße gefordert. Ein Bürgerentscheid hierzu findet am 29. März statt.
Die Freie Wählergemeinschaft Piding hält es für wichtig, diese Argumente sachlich einzuordnen und die Hintergründe der im Gemeinderat getroffenen Entscheidung transparent darzustellen. Ziel des Gemeinderatsbeschlusses ist es, ein zukunftsfähiges, barrierefreies und funktionales Rathaus für alle Pidinger Bürgerinnen und Bürger zu schaffen.
1. „Das Rathaus gehört ins Dorf – Einheit von Rathaus, Kirche und Wirt“
Dieses Bild mag in früheren Jahrzehnten zutreffend gewesen sein. Als das heutige Rathaus in den 1960er-Jahren gebaut wurde, hatte Piding rund 3.000 Einwohner und bestand im Wesentlichen aus dem „alten Dorf“. Heute stellt sich die Situation grundlegend anders dar: Die Gemeinde ist auf rund 5.300 Einwohner deutlich gewachsen und räumlich
weitläufiger geworden. Zudem haben sich die Lebensgewohnheiten stark verändert: weniger formelle Behördengänge, veränderte Bedeutung von Kirche und Gasthaus sowie zunehmende Digitalisierung. Betrachtet man das heutige Gemeindegebiet insgesamt, liegt das Bahnhofsgelände zentraler als der bisherige Standort.
Auch die Anforderungen an ein Rathaus haben sich gewandelt. Moderne Verwaltung benötigt barrierefreie Zugänge, zeitgemäße Arbeitsplätze, ausreichend Raum für Bürgerkontakte, neue Nutzungsmöglichkeiten, etwa einen Multifunktionsraum für Vereine und Versammlungen. Das neue Rathaus soll damit nicht nur Verwaltungsgebäude, sondern auch ein Ort der Begegnung werden.
2. Kostenfrage: Neubau oder Sanierung?
Die Behauptung, ein Neubau am bisherigen Standort sei automatisch günstiger, ist fachlich nicht belegt. Seit mehr als 13 Jahren wird intensiv geprüft, ob eine Sanierung und Erweiterung des bestehenden Rathauses möglich und sinnvoll ist. Diese Prüfungen haben ergeben, dass eine Erweiterung am bestehenden Standort baulich kaum umsetzbar ist. Während einer Sanierung müsste zudem die gesamte Gemeindeverwaltung ausgelagert werden – mit erheblichem organisatorischem und finanziellem Aufwand. Ob eine Sanierung tatsächlich günstiger wäre als ein Neubau, konnte seitens der Initiatoren des Bürgerbegehrens bislang nicht nachgewiesen werden. Ein weiterer, wesentlicher Aspekt für den neuen Standort am Bahnhofsgelände ist die Nutzung der Grundstücke in der Thomastraße (Rathaus und altes Feuerwehrhaus) zum Bau neuer Wohnungeinheiten. Diese Option entfällt bei einem Verbleib am bisherigen Standort, da auf dem Bahnhofsgelände kein Wohnbau möglich ist.
3. Nutzung des Bahnhofsareals für den öffentlichen Nahverkehr
Die Befürchtung, der Rathausneubau verhindere eine Weiterentwicklung des öffentlichen
Nahverkehrs, wurde ebenfalls umfassend geprüft. Fest steht, der Bahnhaltepunkt bleibt erhalten, die Park-&-Ride-Plätze bleiben bestehen, eine neue Bushaltestelle ist vorgesehen und auch der Radweg entlang der Bahnlinie bleibt erhalten. Nach Einschätzung der zuständigen Fachstellen ergeben sich dadurch keine funktionalen Einschränkungen für den ÖPNV.
4. Eisenbahnbundesamt (EBA)
Zuletzt wurde behauptet, eine Anfrage auf Abriss des Bahnhofsgebäudes an das Eisenbahnbundesamt sei seit fünf Jahren ohne Aussicht auf Erfolg. Diese Darstellung ist falsch.
Tatsache ist: Im August 2025 informierte Frau Hirsch, Geschäftsleiterin der Gemeinde Piding, den Gemeinderat darüber, dass der Antrag auf Entwidmung von Bahnbetriebszwecken eingereicht wurde. Durch eine Änderung des Eisenbahngesetzes im Juni 2025 dürfen die meisten Flächen nun entwickelt werden. Im nächsten Schritt wäre ein statischer Nachweis zu erbringen, dass ein Abriss des Bahnhofsgebäudes keine Auswirkungen auf das direkt angrenzende Stellwerk hat. Das Ingenieurbüro Höllige & Wind würde mit dem statischen Nachweis zur Unbedenklichkeit eines Abrisses des Hauptgebäudes beauftragt. Frau Hirsch rechnete Ende des Jahres 2025 mit der Entwidmung der Fläche für den Neubau. Aufgrund des Bürgerbegehrens musste das Verfahren allerdings in der finalen Phase ausgesetzt werden. Ein einfacher Abgleich mit der Gemeindeverwaltung hätte diese Sachlage klären können.
Wichtiger zusätzlicher Aspekt: Wohnen für Einheimische
Mit dem Umzug des Rathauses an das Bahnhofsgelände entsteht die Möglichkeit, die Grundstücke Thomasstraße 2 und 4 neu zu nutzen. Die FWG Piding stellte am 04.10.2022 im Gemeinderat einen Antrag zur Errichtung von Mehrfamilienhäusern im Einheimischenmodel“. Ziel dieses Antrags war es, Grundstücke auszuweisen und insbesondere Pidinger Familien den Bau von Mehrfamilienhäusern zu ermöglichen. Es wurde vorgeschlagen – und mit großer Mehrheit beschlossen –, die Fläche des bisherigen Rathauses und des Feuerwehrgerätehauses nach dem Umzug auf das Bahnhofsgelände für diesen Zweck zu verwenden. Nach über 18 Jahren ohne konkrete Umsetzung im Bereich „Wohnen für Einheimische“ stellt dies einen dringend notwendigen und sozial wichtigen Schritt für unsere Gemeinde dar.
Langjähriger Entscheidungsprozess
Der Standort Bahnhof ist kein Schnellschuss. Seit 2011 wurde das Thema in mehr als 25 Gemeinderatssitzungen behandelt, davon 17 mal in öffentlicher Sitzung. Verschiedene Standorte wurden geprüft und gegeneinander abgewogen. Der Beschluss für den Standort Bahnhof wurde bereits am 9. März 2020 gefasst.
Fazit
Die Freie Wählergemeinschaft Piding steht weiterhin hinter dem Beschluss des Gemeinderats,
> weil der Standort Bahnhof zentraler liegt,
> weil er funktional und verkehrlich sinnvoll ist,
> weil er langfristige Entwicklungsmöglichkeiten für Wohnen im Ortskern eröffnet,
> und weil er auf jahrelanger fachlicher Prüfung beruht.
Die FWG-Piding respektiert das Engagement der Initiatoren des Bürgerbegehrens. Gleichzeitig hält sie es für notwendig, die Diskussion auf Grundlage korrekter Fakten zu führen und die langfristigen Interessen der gesamten Gemeinde Piding im Blick zu behalten. Nur so kann beim Bürgerentscheid am 29. März d. J. eine verantwortungsvolle Entscheidung für die Zukunft getroffen werden.