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Zum Leserbrief von Michael Nürbauer am 29./30. November 2104 Agrarwüsten in Bad Rechenhall?

Ins Schwarze getroffen haben wir offenbar mit unserem Antrag „blühende Wiesen“ in der Novembersitzung des Stadtrats. Wie sonst könnte man die nervöse Reaktion des  Grünen-Stadtrats Michael Nürbauer  in seinem Leserbrief vom vergangenen  Wochenende  erklären? Wenn er mir „tiefe Unkenntnis in der Sache“ vorwirft, so eröffnet er nicht nur eine neue „Qualität“ in der Diskussionskultur zwischen Stadtratskollegen, er hat darüber hinaus auch schlicht Unrecht. In der Regel informieren sich FWG-Stadträte eingehend, bevor sie einen Antrag stellen, so auch hier.

Deutlich zu spüren ist die aufkeimende Eifersucht des Herrn Nürbauer auf die Tatsache, dass auch außerhalb seiner Fraktion ökologisches Gedankengut zu Hause sein kann. Zur Sache selbst: Landesweit spannen Bauern Tanks hinter ihre Traktoren und lassen stinkende Duschen auf die Felder regnen. Oder, wie der Geologe Alfons Baier von der Universität Erlangen sagt: Sie verbringen »Zeitbomben« in den Boden. Keine appetitliche Perspektive. Was die Landwirte auf ihren Feldern verteilen, kommt irgendwann in unserem Trinkwasser an. Die meisten Stoffe bleiben auf dem Weg durch die Erdschichten hängen, Nitrat aus tierischen Exkrementen hingegen ist eine sehr bewegliche Verbindung. Sie klebt kaum an Sandkörnern oder Humusfetzen und dringt immer weiter in den Untergrund. Je nach Beschaffenheit des Bodens kommt sie unterschiedlich schnell voran. Es kann länger als ein Jahrhundert dauern, bis die Nitratfront durch dicke Lehmschichten gedrungen ist, oder weniger als fünf Jahre, bis sie unter ein paar Lagen Sand oder karstigem Boden messbar ist.

Deutschland bekommt ein Nitratproblem. Viele ober- und unterirdische Gewässer sind bereits hoch belastet. Die Stickstoffverbindung diffundiert nicht nur aus Gülle in den Boden, sie kommt auch mit künstlichem Dünger in die Landschaft oder sickert aus schlampig abgedichteten Silagesilos (Quelle: ZEIT online vom 10.Mai 2012). Noch vor 20 Jahren konnte man zumindest im Frühjahr bis zur ersten Mahd auch bei uns bunte Blumenwiesen bewundern. Die heutigen landwirtschaftlichen Fettwiesen, die auf hohen Ertrag hin optimiert sind, bestehen allerdings fast ausschließlich aus Grasarten und sind fast immer arm an Blüten (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Blumenwiese).

Vor Einführung der Ertragsoptimierung  in der Landwirtschaft wurde eine Wiese ein bis zweimal (=zweischürig) im Jahr zur Heugewinnung gemäht. Die in einer Wiese vorkommenden Pflanzenarten haben sich darauf über Jahrtausende (seit der Bronzezeit) angepasst, bzw. es siedeln sich in zweischürigen Wiesen nur Arten an, die an diese Nutzung angepasst sind. Intensivgrünländer, die hohe Dünger-Gaben erhalten, insbesondere aber für Silagegewinnung dienen, werden bis zu sechsmal im Jahr gemäht, um das eiweißreiche Mähgut optimal verwerten zu können. Erste Einschnitte sind schon im Mittfrühling (April) möglich. An diese Nutzung sind nur wenige Pflanzenarten angepasst. (Quelle: wikipedia a.a.O.). Das führt unweigerlich zur Artenarmut. Das ist auch mit Blick auf das Bienensterben ökologisch bedenklich. Denn nicht nur Monokulturen also der massenhafte Anbau von Nutzpflanzen, insbesondere von Raps, Zuckerrüben und Mais, sondern auch  dass die Wiesen zur Gewinnung von Silage sehr oft gemäht werden, führen dazu, dass sich sowohl durch die fehlende Menge als auch durch die mangelnde Vielfalt  des noch vorhandenen Blütenangebotes die Vitalität der Bienen drastisch verschlechtert (Quelle: bio-dynamischer-Anbauverbund Demeter: http://www.demeter.de).

Solche Grundkenntnisse hatten wir bei Herrn Nürbauer als selbstverständlich vorausgesetzt  und seine und seiner Fraktion begeisterte Zustimmung zu unserem Antrag erwartet. Dass dem nicht so war, ist wohl dem eingangs geschilderten Umstand geschuldet. Schade um die Sache.

 

Friedrich Hötzendorfer

Stv. Fraktionssprecher der FWG

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